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Die Aufwertung des Schweizer Franken und die Folgen

Die Schweizer Nationalbank hat am 15. Januar 2015 den Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken völlig überraschend aufgehoben. Die Schweizer Währung zog daraufhin um zeitweise knapp 30 Prozent an. Die Reaktionen hätten kaum extremer ausfallen können. Sie reichten von „Tsunami“ (Swatch-Chef Nick Hayek) bis „Katastrophe“ (Schweizer Bahnunternehmer Peter Spuhler, Eigentümer von Stadler Rail).
Die Aufwertung des Schweizer Franken macht alle Waren und Dienstleistungen für Nicht-Schweizer teurer. Aktuell bekommt man für einen Euro nur noch etwa einen Franken.
 
Große Verunsicherung
 
In der Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie (MEM-Industrie) löste der Schritt starke Verunsicherung aus. Eine anhaltende und spürbare Aufwertung des Schweizer Frankens gegenüber dem Euro und dem US-Dollar könnte viele Unternehmen in ihrer Existenz bedrohen. Der Branchenverband erwartet mitunter drastische Maßnahmen bis hin zur Verlagerung von Produktionsstätten ins Ausland. Denn bereits bei einem Wechselkurs von CHF 1,20 war der Schweizer Franken gegenüber dem Euro überbewertet.
Die MEM-Industrie exportiert fast 80 Prozent ihrer Güter. Mit einem Anteil von rund 60 Prozent ist Europa der mit Abstand wichtigste Absatzmarkt. Die Unternehmen der Branche stehen in diesen Märkten in einem harten Wettbewerb.
Nach Einschätzung der Großbank UBS könnten die negativen Folgen für die Exportwirtschaft rund fünf Milliarden Franken oder 0,7 Prozent des Bruttoinlandprodukts betragen.
Importierte Waren werden für Schweizer hingegen billiger. Entsprechend einfacher dürfte es Unternehmen aus Deutschland und der Eurozone fallen, in die Schweiz zu exportieren. Vor allem die deutsche Metall- und Kunststoffindustrie könnte davon profitieren.
 
VDMA sieht Chancen und Risiken
 
Deutsche Maschinenbauer liefern jährlich Waren im Wert von fast fünf Mrd. Euro in die Schweiz. Fast die Hälfte (46%) der schweizerischen Maschinenimporte stammen aus Deutschland. 2013 bestand ein leichter Überschuss der Importe aus der Schweiz von 200 Mio. Euro – die Bilanz war bisher also annähernd ausgeglichen.
Laut VDMA wird durch die Aufwertung des Franken die preisliche Wettbewerbsfähigkeit von Lieferanten aus dem Euro-Raum nicht nur in der Schweiz besser, sondern überall auf der Welt, wo sie gegen Schweizer Konkurrenten antreten müssen. Sie können Marktanteile gewinnen, im Wesentlichen abhängig davon, wie stark sich die Wechselkursrelationen verschieben und wie dauerhaft die Aufwertung ist.
Auf der Importseite Deutschlands stehen Vor- wie Nachteile: die Importe aus der Schweiz werden teurer. Dazu gehören auch wichtige Zulieferprodukte. Je enger die Zuliefer-Abnehmer-Beziehungen mit der Schweiz sind, umso schwieriger wird es sein, den unvermeidlichen Kostensteigerungen durch einen Anbieterwechsel zu entgehen.
 
Chancen nutzen
 
Langfristig können die Schweizer Unternehmen profitieren. Denn sie können ihre Rohstoffe und Vorprodukte günstiger importieren. Dazu gehört schon jetzt die Suche nach geeigneten Lieferanten in den EU-Nachbarländern. Interessierte Lieferanten sollten diese Chance jetzt nutzen und ihren Vertriebsaktivitäten in der Schweiz verstärken. Techpilot unterstützt Sie dabei.

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