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EMI: Auftragsplus und verlängerte Lieferzeiten

mit freundlicher Unterstützung von All about Sourcing


Nach der leichten Delle im Juli hat die deutsche Wirtschaft im August wieder an Dynamik gewonnen und ist fast so stark gewachsen wie zum Sechs-Jahreshoch im Mai und Juni. Beschleunigtes Produktionswachstum ging einher mit einem höheren Auftragsplus. Beim Exportneugeschäft verbuchten die Unternehmen sogar den stärksten Zuwachs seit Mai 2010. Gleichzeitig verlängerten sich die Lieferzeiten allerdings so drastisch wie zuletzt im April 2011. Das signalisiert der finale saisonbereinigte IHS Markit/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI). Er stieg im August binnen Monatsfrist um 1,2 Punkte auf 59,3 und erreichte damit den dritthöchsten Wert seit April 2011. Gleichzeitig notiert der wichtige Konjunktur-Indikator bereits seit 33 Monaten über der neutralen Marke von 50 Punkten, ab der Wachstum angezeigt wird. Dies ist der zweitlängste Zeitraum ununterbrochenen Wachstums seit Umfragebeginn vor 21 Jahren. Der PMI-Hauptindex spiegelt das Ergebnis der August-Umfrage zur Konjunkturlage der Industrie Deutschlands in einem Wert wider.
 
„Der starke Anstieg des EMI-Teilindex Industrieproduktion ist ein Indiz für die anhaltend gute Verfassung der deutschen Wirtschaft. Daran dürfte sich auch in den kommenden Monaten nichts ändern“, betonte Dr. Silvius Grobosch, Mitglied des geschäftsführenden Bundesvorstandes des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME). „Weiter beobachten müssen wir die Entwicklung der Einkaufspreise, die bereits den 14. Monat in Folge zulegten“, fügte Grobosch hinzu.
 
„Der EMI lässt sich nicht unterkriegen. Das heißt nichts anderes, als dass sich die deutsche Industrie auf einem stabilen Wachstumspfad befindet“, kommentierte Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen die aktuellen EMI-Daten. Vielleicht bekomme US-Präsident Donald Trump jetzt doch eine Steuerreform hin, so dass die Impulse aus den USA im nächsten Jahr noch etwas zunehmen werden. Protektionistische Maßnahmen stehen nach Einschätzung der Helaba-Bankdirektorin zumindest derzeit nicht mehr im Mittelpunkt. Europa, insbesondere die Eurozone, wachse stärker und auch die Schwellenländer hätten die Kurve bekommen. „All dies kommt der deutschen Industrie zugute“, sagte Traud dem BME.
 
Nach Ansicht von Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, scheint das Wirtschaftsvertrauen unerschütterlich. „Die zahlreichen Unsicherheitsfaktoren in den vergangenen zwei Jahren konnten den Stimmungshöhenflug nicht aufhalten; auch nicht die jüngsten Konflikte mit Nordkorea oder der Türkei. Die Zahlen deuten an, dass eine Abkühlung der Konjunktur im dritten Quartal nicht in Sicht ist“, sagte Kater.
 
„Der Aufschwung ist mittlerweile auch in der Industrie voll angekommen. Die Investitionen legen endlich zu und der Konsum wirkt weiter als Konjunkturstütze“, kommentierte DIHK-Konjunkturexpertin Sophia Krietenbrink am Freitag die aktuellen EMI-Daten. Die deutschen Exporteure trotzten den wirtschaftspolitischen Unwägbarkeiten. Ein wachsendes Problem aus Sicht der Unternehmen sei allerdings der Fachkräftemangel. Betriebe in weiten Teilen Deutschlands fänden nicht mehr die nötigen Mitarbeiter, um Aufträge abzuarbeiten. „Fast jeder zweite Industriebetrieb sieht seine Geschäftsentwicklung hierdurch aktuell gefährdet“, teilte Krietenbrink dem BME mit.
 
Entwicklung der EMI-Teilindizes im Überblick
Industrieproduktion: Infolge des hohen Auftragseingangs fiel die 52. Produktionssteigerung in Folge wieder stärker aus als zum Sechs-Monatstief im Juli. Der entsprechende Teilindex klettert auf den vierthöchsten Wert seit April 2011. Deutlich mehr produziert wurde im Vorleistungs- und Investitionsgüterbereich, während sich die Erzeugung im Konsumgüterbereich abschwächte.
 
Auftragseingang: Auch der Auftragseingang erholte sich von seiner leichten Delle im Juli wieder und wies das dritthöchste Plus seit April 2011 aus. Verstärkte Zuwächse verbuchten die Vorleistungs- und Investitionsgüterhersteller, im Konsumgüterbereich schwächte sich die Nachfrage hingegen ab.
 
Die Auslandsbestellungen legten so kräftig zu wie seit Mai 2010 nicht mehr. Der entsprechende Teilindex stieg auf den siebthöchsten Wert seit Umfragebeginn im April 1996. Besonders gefragt waren Industrieerzeugnisse „Made in Germany“ diesmal in Asien. Seit August 2015 verbuchen die Firmen nun bereits ununterbrochen Exportorderzuwächse.
 
Beschäftigung: Der 17. Stellenaufbau in Folge schwächte sich zwar zum dritten Mal hintereinander von seinem Sechs-Jahreshoch im Mai ab, er zählte jedoch erneut zu einem der stärksten seit Umfragebeginn. Erhebliche Zuwächse vermeldeten der Vorleistungs- und Investitionsgüterbereich, im Konsumgüterbereich wurden hingegen vereinzelt Stellen gestrichen.
 
Einkaufs-/Verkaufspreise: Der 14. Anstieg der Einkaufspreise in Folge fiel wieder stärker aus als in den beiden Vormonaten. Die extremen Werte, die zwischen Dezember 2016 und Mai 2017 verzeichnet wurden, wurden jedoch nicht erreicht. Der Konsumgüterbereich vermeldete den kräftigsten Anstieg.
 
Die Verkaufspreise wurden im August infolge der Verteuerung von Rohstoffen wieder fast genauso stark angehoben wie zum 68-Monatshoch im Februar. Alle drei von der Umfrage erfassten Industriebereiche erhöhten ihre Verkaufspreise kräftig.
 
Jahresausblick: Wegen des kräftigen Zuwachses an Neuaufträgen, zu erwartenden neuen Projekten, aber auch dem erhofften, anhaltenden Konjunkturaufschwung in der Eurozone blieben die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist im August ausgesprochen positiv. Der entsprechende Teilindex notiert ein weiteres Mal auf einem der höchsten Werte seit Beginn der Erhebung dieser Daten im Juli 2012.
 
Dieser Artikel wurde zur Verfügung gestellt von All about Sourcing.
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