Aus der Praxis

Sourcing Strategien

Sourcing Strategien geben Antwort auf die Frage, bei wie vielen Lieferanten die einzelnen Beschaffungsobjekte eingekauft werden, wo diese Lieferanten angesiedelt sind und in welchem Zustand ein Objekt beschafft wird.

Eine Strategie lässt sich nicht pauschal auf das ganze Portfolio übertragen, daher sollte pro Objekt bzw. Warengruppe diese Fragen immer erneut beantwortet werden. Es lässt sich aber nicht ausschließen, dass ein Unternehmen eine feste, integrierte Strategie verfolgt. Gutes Beispiel dafür sind Firmen in der Lebensmittelindustrie, die ausschließlich regionale Produkte anbieten. Um das zu realisieren, kann der Einkauf selbstverständlich nicht über diese regionale Grenze hinaus agieren.

 

Anzahl Lieferanten

 

Single Sourcing

Beim Single Sourcing wird der gesamte Bedarf von einem einzigen Lieferanten bezogen. Gründe dafür sind zum einen, eine gute Beziehung mit dem Lieferanten aufbauen, um langfristig miteinander zu arbeiten und unkomplizierte Bestellungen zu ermöglichen. Zum anderen kann es daran liegen, dass die gewünschte Ware nur bei dem einen Lieferanten verfügbar ist. Vorteile ergeben sich bei dieser Strategie durch geringe Koordinationsaufwände. Nachteilig hingegen ist die hohe Abhängigkeit des einen Lieferanten, dadurch steigt das Risiko des Lieferantenausfalls. Außerdem bezahlt man möglicherweise einen höheren Preis, da man Alternativen außer Sicht lässt.

Dual Sourcing

Bei dem Prinzip des Dual-Sourcing wird das Risiko des Lieferantenausfall minimiert, da die Bestellungen auf zwei Lieferanten aufgeteilt werden. Der Bedarf kann dabei in individualen Anteilen auf die beiden Lieferanten verteilt werden. Durch dieses Vorgehen lässt sich die Versorgungssicherheit verbessern, bei immer noch geringer logistischer Koordination. Die Abhängigkeit wird dadurch geschmälert, aber nicht gänzlich eliminiert.

 

Multiple Sourcing

Wie der Name schon vermuten lässt, werden beim Multiple Sourcing die Produkte bei mindestens drei Lieferanten beschafft. Das erzielt Preisvorteile, sowie Vorteile in den Dimensionen Zeit und Qualität. In der Praxis wird diese Technik meist bei Standardprodukten angewendet, die keine Absprachen benötigen. Nachteilig ist hier hingegen der erhöhte Aufwand in der Koordination und der Logistik.

 

Komplexität des Beschaffungsobjektes

 

Unit Sourcing

Unit Sourcing, oder auch Part Sourcing, ist eine Strategie die besagt, dass Objekte als Einzelteile oder Rohstoffe beschafft werden. Diese Teile werden im Unternehmen entweder weiterverarbeitet oder gehen direkt ins Endprodukt ein. Diese Strategie hat zur Folge, dass man sehr viele Lieferanten koordinieren muss, auf der anderen Seite bleibt aber das Know-how im eigenem Unternehmen.

Modular Sourcing und System Sourcing

Bei diesen Strategien liefern wenige Lieferanten komplette Module oder Baugruppen, welche entweder in Zusammenarbeit entwickelt wurden oder aber gänzlich beim Lieferanten. Die Begriffe Modular und System grenzen sich durch die enge der Zusammenarbeit ab. Bei Modular Sourcing ist diese geringer als beim System Sourcing. Diese Verlagerung der Entwicklung und Produktion zieht eine hohe Abhängigkeit zum Lieferanten mit sich, zusätzlich verliert man Know-how an den Lieferanten. Auf der Seite der Vorteile gliedert sich die Reduzierung der Lieferanten neben der Konzentration auf das Kernprodukt.

 

 

Ort der Beschaffung

 

Local Sourcing

Diese Strategien lassen sich am besten an einem einfachen Beispiel erklären. Angenommen ein Einkäufer sitzt mir seinem Unternehmen in München und beschafft seine Objekte in folgenden Gebieten, spricht man jeweils von:

 

München: Local Sourcing

Bayern: Regional Sourcing

Deutschland: National Sourcing

EU-Zone: Euro Sourcing

Weltweit: Global Sourcing

Vorteile, wie geringe logistische Risiken und geringe Transportkosten, nehmen von Local Sourcing bis Global Sourcing stark ab. Dafür profitiert man beim Globals Soucing von attraktiven Preisen und Erschließung neuer Märkte, hat aber auf der Seite der Nachteile Punkte, wie kulturelle Differenzen und Qualitätsrisiken.

Grundsätzlich sollte vorher gut überleget werden welche Strategien man verfolgt. Eine Risikoanalyse mit Prävention und Mitigation, sollte stets durchgeführt werden. Für langfristigen Erfolg sind diese Strategien ein nützliches Tool. Wie schaut es bei Ihnen im Unternehmen aus? Mal Hand aufs Herz, wer verfolgt konkrete Sourcing-Strategien?

 

Folgende Übersicht aus dem Jahre 2014 macht deutlich in welchen Bereichen Sourcing Strategien verfolgt werden.

 

Quelle: Information Service Gruppe

 

 

Diese Untersuchung ist Teil einer Masterarbeit bei Techpilot, in welcher der Prozess der Einkäufer untersucht wird, was in Zukunft den Einkäufern den Prozess erleichtert oder einen Mehrwert bietet. Wer sich dazu austauschen will ist jederzeit willkommen sich schriftliche oder telefonisch bei Pascal Trebin zu melden.

 

(Quelle: Richard, Judith; Grundlagen des Einkaufs; BME Verband; 2017)

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